Baubericht – Eduard`s MiG-21MF Slovakian Airforce „7803“

Liebe Modellbaufreunde,

nach längerer Zeit möchte ich euch hier auf der „Werkbank“ wieder einmal ein  außergewöhnliches Projekt vorstellen!

Basis ist eine Limited Edition von Eduard, welche sage und schreibe eine von 39 (!) Versionen der MiG-21 MF im tschechoslowakischen oder Nachfolge-Dienst zum Bau zulässt. Der Bausatz kommt in der gewohnten Qualität, besitzt meiner Meinung nach aufgrund des nun doch schon fortgeschrittenen Alters bereits ein paar kleinere Schwächen. Dennoch lässt er wenig Wünsche offen und bietet eine solide Basis für die von Eduard ständig aktualisierten Versionen der 21er (hier im Baulos MF – 96F).

Ergänzt werden die Plastik-Äste durch zwei Ätzteilesets und Resinteile (leider nur für die UB-16 Raketenbehälter, hier wären für mich persönlich Räder oder ein Schleudersitz nützlicher). Neben dem riesigen Decal-Sheet liegt auch ein mehr als 100-Seiten starkes Buch der MiG-21MF im CZ-Einsatz bei – mit ich denke sämtlichen CZ-Versionen seit Beginn an. Leider ist der Text auf tschechisch, Eduard stellt jedoch ergänzend einen englischen Text als Download zur Verfügung. Die Bilder und Grafiken im Buch sprechen für sich und bieten sehr viel Inspiration.

(Photos www.eduard.com)

Nun zu meinem Projekt: anhand der vielen darstellbaren Versionen ist mir die Wahl nicht leicht gefallen – schließlich ist dies auch nicht meine erste 21er. Da ich mich seit Längerem bereits mit dem Thema „Chipping“ befassen wollte, habe ich mich für die Maschine „7803“, stationiert in Sliac und dargestellt im Jahr 1995 (bereits mit den neuen slowakischen Hoheitszeichen), entschieden.

Grafik: Eduard

Hier sieht man die Maschine bereits sehr stark verwittert bzw. mit teilweisen Verlust des Tarnanstriches. Lt. Beschreibung war dies eine der ersten Maschinen mit dem damals neu lackierten „Tarnkleid“. Beim Lackieren wurde wohl fehlerhaft gearbeitet, wobei sich der Lack im Laufe der Jahre verabschiedete. Die Hoheitszeichen der Slowakei wurden nach Trennung mit Tschechien aktualisiert und wirken entsprechend neuwertig. Nun war diese Art von Lackierung und Technik als Wiedergabe im Modell für mich vor einiger Zeit noch undenkbar, heute jedoch schien sie mir machbar (über das Ergebnis war ich dann doch selbst erstaunt).

Zum Bau selbst: Die „Zigarre“ war für mich als geübten Modellbauer relativ rasch zusammengebaut, Rumpf und Flügel passen problemlos zueinander. Einige wenige Bereiche erfordern den Einsatz von etwas Spachtel. Etwas mehr Aufwand habe ich in das Cockpit investiert, hier dienen Drähte und Kabel als zusätzliche Detailgeber. Für die spezifischen  „russischen“ Farbtöne habe ich zum ersten Mal Acrylics von AK-Interactive verwendet (Soviet Colours) – von dieser Firma stammen dann später auch die Metall-Farben (Xtreme-Metal) sowie die Chipping-Fluids.

Hier ist die Maschine bereits zusammengebaut zu sehen. Lackiert habe ich als „Untergrund“ ein „NFM“ (Natural-Metal-Finish), also ein naturgetreues Aluminium-Kleid. Dieses habe ich mit den Xtreme-Metal Farben von AK-Interactive – Aluminium, Dark-Aluminium, White-Aluminium, Steel und Titanium gestaltet. Vor-grundiert wurde wie bei mir üblich nicht.

Nun zum eigentlichen Thema, dem „Chipping“. Hier gibt es natürlich verschiedene Techniken, früher mit der Haarspray-Technik, aber auch mit diversen Mitteln, welche die Modellbau-Industrie zur Verfügung stellt.

Ich habe mich zum Test von drei verschiedenen Lösungen von AK entschieden: „Worn-Effects“, „Heavy-Chipping“ und „Washable-Agent“. Alle drei funktionieren im Prinzip ähnlich, durch eine zusätzliche Schicht zwischen Untergrund und Decklack lässt sich dieser mit Wasser anlösen. Der Decklack „bricht“ dadurch auf bzw. lässt sich dann mit Pinsel oder anderen Werkzeugen bearbeiten. Einzig den Washable Agent gibt man direkt in den Lack, um diesen danach wasserlöslich zu halten. Dieser hat mich allerdings wenig überzeugt, der Revell-Lack wurde durch die Zugabe wie eine Art Pudding.

Die sehr ansprechend gestalteten Tech-Sheets mit Anleitung gibt es auf der Homepage von AK-Interactive zum Download.

Um die für meine Maschine geeignetste Variante herauszufinden, habe ich nun drei Versuche gestartet. Von links nach rechts habe ich mit Zahnstocher und dann immer größer werdenden Borsten-Pinseln gearbeitet:

Für meinen Zweck schien mir die „Worn-Effects“ Lösung am Besten geeignet, also war ich gespannt wie der Effekt am Flugzeug aussieht.

Zuerst wollte ich die Unterseite gestalten. Also das NFM mit „Worn-Effects“ via Airbrush versiegeln (Vorsicht mit der Dosierung, das Zeug ist im Gegensatz zum Lack wirklich flüssig und verläuft sofort), nach dem Trocknen eine Schicht Gunze H417 Light Blue. Mit verschiedenen Borsten-Pinseln und Wasser habe ich danach versucht, die Unterseite zu bearbeiten, und mich dabei möglichst genau an die Anleitung zu halten:

Das Ergebnis hat mich überzeugt, also konnte ich es kaum erwarten mit der Oberseite anzufangen. Zuerst die Flügel, dann schrittweise der Rumpf. Lackiert habe ich mit Gunze H37 Wood-Brown und H420 Olive-Green, natürlich frei-Hand mit Airbrush.

Ich habe den Vorgang in mehrere Abschnitte unterteilt, sollte etwas schiefgehen würde sich ein Fehler leichter ausbessern lassen. Mit viel Geduld und Geschick ist es mir gelungen, den Tarnanstrich so zu bearbeiten, um den Original-Bildern aus Buch und Anleitung möglichst nahe zu kommen, man kann das hier gut erkennen:

Ich war vom Ergebnis und von der Technik begeistert, die MiG würde ein richtiger „Show-Stopper“ werden 😉

Nach Fertigstellung des Finish folgte wie gewohnt eine Schicht Revell-Klarlack, danach die Hoheitszeichen und einige Stencils. Die Wartungshinweise (Stencils) habe ich nur an jenen Stellen aufgebracht, an denen der Tarnanstrich noch vorhanden ist, was mir logisch erschien. Nach den Decals folgte ein Washing von Flory-Models aus „Grey“ (Unterseite) und „Dark-Dirt“ (Oberseite).

Danach folgte wie bei mir üblich der Zusammenbau von Fahrwerk, Räder und Klappen, teilweise lackiere ich diese noch am Ast, teilweise als zusammengebaut. Zuletzt noch die restlichen Anbauteile wie Antennen und dgl. und eine Schicht Klarlack Seidenmatt. Den Schleudersitz baue ich gegen Ende, das ist schon Routine.  Ein paar Ätzteile noch angeklebt, ein paar Kabel und Drähte ergänzt, schon ist sie fertig!

Am Ende ist meiner Meinung nach ein sehr schönes Modell entstanden, welches man nicht jeden Tag sieht und ich so noch nicht gebaut habe – mehr Fotos gibts in der Galerie unter Fertige Modelle!

Update: Herzlichen Dank an das Kitchecker Team für die Veröffentlichung meines Berichts: Kitchecker.com – MiG-21 MF

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